
Grippewellen führen in Deutschland zu Millionen Krankschreibungen: In der schweren Saison 2017/18 schätzte das Robert Koch-Institut rund 5,3 Millionen grippebedingte Arbeitsunfähigkeiten (RKI, Saisonbericht Influenza 2017/18). Ein Teil dieser Ausfälle ließe sich durch eine Impfung vermeiden. Die betriebliche Grippeschutzimpfung gehört zum Bereich Vorsorge, und ihr Nutzen lässt sich gut überschlagen: Impfkosten pro Person gegenüber den durchschnittlichen Ausfalltagen einer Grippeerkrankung.
Was macht den betrieblichen Impftag so wirkungsvoll?
Bequemlichkeit ist ein starker Treiber für den Impfentschluss. Wer selbst einen Termin beim Arzt buchen, hinfahren, warten und wiederkommen muss, verschiebt es. Wer sich in der Mittagspause im Aufenthaltsraum impfen lassen kann – durch einen mobilen Betriebsarzt-Service – tut es. Betriebliche Impftage erreichen deshalb oft mehr Beschäftigte als der Weg über die eigene Arztpraxis. Eine Kostenübernahme für Mitarbeitende – vollständig oder anteilig – stärkt die Beteiligung weiter.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, und was braucht es?
Oktober und November sind ideal – bevor die Welle beginnt. Ein Termin mit Voranmeldung reduziert Warteschlangen und hilft der ärztlichen Planung. Kommunikation im Vorfeld, ein einfacher Anmeldelink und ein kurzer Info-Aushang sind der ganze Aufwand auf Unternehmensseite. Durchführen kann einen solchen Termin der Betriebsarzt – welche Betreuungsmodelle es gibt, zeigt der Ratgeber Betriebsarzt: Pflicht, Kosten und Betreuungsmodelle.
Wie setzen Sie die Maßnahme um?
- 1Betriebsarzt oder externen Impfdienst anfragen und Termin fixieren – idealerweise September/Oktober
- 2Impfstoff-Beschaffung und Kostenübernahme klären (häufig tragen Arbeitgeber oder Krankenkasse die Kosten)
- 3Raum organisieren: ruhiger, sauberer Raum für Aufklärung und Impfung, kurze Wartemöglichkeit
- 4Freiwilligkeit klar kommunizieren – die Teilnahme ist ein Angebot, keine Pflicht
- 5Info an alle: Datum, Ort, Ablauf, Freiwilligkeit und Nutzen kurz erklären
- 6Anmeldeliste oder Zeitfenster-Buchung bereitstellen, damit keine langen Wartezeiten entstehen
- 7Aufklärungsbogen vorab verteilen, damit der Termin selbst kurz bleibt
- 8Getakteten Ablauf sicherstellen: Aufklärung, Impfung, kurze Nachbeobachtung
- 9Mitarbeitende während der Arbeitszeit teilnehmen lassen – das erhöht die Quote deutlich
- 10Datenschutz wahren: Gesundheitsdaten bleiben ausschließlich beim Arzt
- 11Teilnahmezahl (anonym, nur Gesamtzahl) fürs BGF-Reporting festhalten
- 12Kurzes Feedback zum Ablauf einholen (Wartezeit, Organisation)
- 13Termin fürs Folgejahr vormerken – die jährliche Wiederholung etabliert die Routine
Was brauchen Sie dafür?
- Aufwand
- halber Tag
- Kosten
- unter 100 €
- Dauer
- 1 Tag
- Setup
- 120 Min.
- ✓ Weniger Krankheitstage
- ✓ Fürsorgepflicht
- ✓ Messbar
Steuer und Krankenkasse: was möglich ist
Gesundheitsleistungen des Arbeitgebers können nach § 3 Nr. 34 EStG bis 600 € pro Mitarbeitendem und Jahr steuerfrei sein — wenn sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn erbracht werden und entweder zertifiziert sind (§ 20 SGB V) oder im betrieblichen Gesundheitsförderungsprozess umgesetzt werden. Fitnessstudio-Beiträge und Firmenfitness gehören nicht dazu. Für ZPP-zertifizierte Kurse (z. B. von Upfit) kann die Krankenkasse ihren Versicherten die Kursgebühr ganz oder teilweise erstatten — dann ist nur der übersteigende Teil steuerfrei. Projekte im Betrieb kann sie nach § 20b SGB V fördern, ohne Anspruch. Bestätigen kann die Steuerfreiheit nur Ihr Steuerberater.
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