
Vorsorge scheitert in Deutschland oft nicht am Bewusstsein, sondern am Weg. Wer einen eigenen Arzttermin für Blutdruck oder Blutzucker organisieren muss, verschiebt es – bis auf unbestimmte Zeit. Wenn die Messung direkt im Betrieb möglich ist, entfällt die Hürde.
Was leistet ein betriebliches Screening?
Freiwillige Vorsorge-Checks im Betrieb erfassen Werte, die im Alltag unsichtbar sind: Bluthochdruck macht lange keine Symptome, erhöhte Blutzuckerwerte bleiben oft lange unbemerkt, und ein erhöhter Stresslevel wird erst ernst genommen, wenn jemand ihn auf einer Skala von 1 bis 10 sieht. Das Screening macht das sichtbar – in einem geschützten, unkomplizierten Rahmen, ohne Krankheitsdiagnose, aber mit klaren Handlungsempfehlungen.
Wie gestalten Sie den Screening-Tag wirkungsvoll?
Wer Ergebnisse nur bekommt und damit allein gelassen wird, ist schlechter dran als vorher. Der Nutzen entsteht durch eine kurze Einordnung: Was bedeutet dieser Wert? Was ist ein guter nächster Schritt? Ein Arzt oder eine Pflegefachkraft vor Ort – nicht um zu behandeln, sondern um zu orientieren – macht den Unterschied zwischen einem guten Angebot und einem sehr guten. Durchführen kann einen solchen Termin der Betriebsarzt – welche Betreuungsmodelle es gibt, zeigt der Ratgeber Betriebsarzt: Pflicht, Kosten und Betreuungsmodelle.
Wie setzen Sie die Maßnahme um?
- 1Betriebsarzt oder externen Anbieter für Check-ups buchen (Blutdruck, Blutzucker, BMI, Cholesterin)
- 2Umfang und Ablauf festlegen: kurze Messung pro Person, verständliche Erklärung der Werte, Zeitfenster einplanen
- 3Geeigneten, diskreten Raum organisieren – Gesundheitswerte sind privat
- 4Freiwilligkeit und Datenschutz vorab klar kommunizieren
- 5Angebot ankündigen: Was wird gemessen, warum ist es wertvoll (frühe Standortbestimmung)?
- 6Zeitfenster-Buchung anbieten, um Wartezeiten und Andrang am Stand zu vermeiden
- 7Betonen: freiwillig, vertraulich, Ergebnisse ausschließlich für die Teilnehmenden
- 8Reibungslosen, getakteten Ablauf sicherstellen (Empfang, Messung, kurze Einordnung)
- 9Teilnahme während der Arbeitszeit ermöglichen
- 10Datenschutz strikt wahren: keine Weitergabe von Einzelwerten an den Arbeitgeber
- 11Bei auffälligen Werten auf ärztliche Abklärung verweisen – kein Alarmismus
- 12Nur anonyme Gesamtzahlen (Teilnahme) fürs BGF-Reporting festhalten
- 13Feedback zum Ablauf einholen
- 14Passende Folgemaßnahmen ableiten (z. B. Bewegungs- oder Ernährungsangebot bei häufigen Auffälligkeiten)
Was brauchen Sie dafür?
- Aufwand
- mehrtägig
- Kosten
- mit Budget
- Dauer
- 1–2 Tage
- Setup
- 960 Min.
- ✓ Medizinisch fundiert
- ✓ Hohe Wertschätzung
- ✓ Daten für Kennzahlen
Steuer und Krankenkasse: was möglich ist
Gesundheitsleistungen des Arbeitgebers können nach § 3 Nr. 34 EStG bis 600 € pro Mitarbeitendem und Jahr steuerfrei sein — wenn sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn erbracht werden und entweder zertifiziert sind (§ 20 SGB V) oder im betrieblichen Gesundheitsförderungsprozess umgesetzt werden. Fitnessstudio-Beiträge und Firmenfitness gehören nicht dazu. Für ZPP-zertifizierte Kurse (z. B. von Upfit) kann die Krankenkasse ihren Versicherten die Kursgebühr ganz oder teilweise erstatten — dann ist nur der übersteigende Teil steuerfrei. Projekte im Betrieb kann sie nach § 20b SGB V fördern, ohne Anspruch. Bestätigen kann die Steuerfreiheit nur Ihr Steuerberater.
So geht es in EasyBGM
Diese Best Practice in EasyBGM: übernehmen, anpassen, Wirkung messen
Mit der Übernahme steht die Maßnahme in EasyBGM bereit — mit Anleitung, Einladung und Befragungen vorher und nachher. Sie passen an, was zu Ihrem Betrieb passt, und sehen am Ende, was sie bewirkt hat.
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