
BGM 3-Säulen-Modell
Was sind die 3 Säulen des BGM-Modells?
BGM ruht auf drei Säulen: Arbeits- und Gesundheitsschutz (Pflicht), Betriebliches Eingliederungsmanagement/BEM (Pflicht) und betriebliche Gesundheitsförderung/BGF (freiwillig). Ohne die Pflicht-Säulen ist das gesamte BGM-Gebäude rechtlich instabil — unabhängig davon, wie viel BGF betrieben wird.
Die 3 Säulen im Überblick
| Säule | Status | Rechtsgrundlage | Kern-Pflicht |
|---|---|---|---|
| 1. Arbeits- & Gesundheitsschutz | Pflicht | ArbSchG, ASiG | Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungen |
| 2. Betriebliches Eingliederungsmanagement | Pflicht | SGB IX § 167 | BEM-Angebot bei mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit innerhalb eines Jahres |
| 3. Betriebliche Gesundheitsförderung | Freiwillig | § 20b SGB V (gesetzlicher Auftrag der Kassen, kein Anspruch des Unternehmens) | keine — aber förderfähig (ohne Anspruch) |
Wie hängen Dach und Säulen im BGM zusammen?
BGM lässt sich als Haus vorstellen: Das Dach ist das Management selbst — Steuerung, Zielsetzung, Erfolgskontrolle. Die drei Säulen tragen dieses Dach. Fehlt eine der beiden Pflicht-Säulen, ist das Haus instabil, egal wie viel in die freiwillige dritte Säule investiert wird.
Welche Pflichten stecken in Säule 1 und 2?
Arbeits- und Gesundheitsschutz umfasst die Gefährdungsbeurteilung (physisch und psychisch, ArbSchG § 5), Unterweisungen und deren Dokumentation — Pflicht ab dem ersten Beschäftigten. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) greift, sobald ein Mitarbeitender innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig war (SGB IX § 167): Der Arbeitgeber muss ein BEM-Gespräch anbieten — die Teilnahme ist für den Mitarbeitenden freiwillig, das Angebot für den Arbeitgeber nicht.
Ist die betriebliche Gesundheitsförderung Pflicht?
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist freiwillig — umfasst aber die Maßnahmen, die in der öffentlichen Wahrnehmung meist mit BGM gleichgesetzt werden: Bewegungsangebote, Ernährungsberatung, Stressprävention. § 20b SGB V gibt den Krankenkassen den Auftrag, BGF zu unterstützen — gefördert werden Projekte, etwa eine Maßnahme, ein Gesundheitstag oder ein Jahresbudget, ohne Anspruch des Unternehmens und ohne festen Betrag pro Kopf. Diese Säule entscheidet meist über Mitarbeiterzufriedenheit und Employer Branding, nicht über rechtliche Compliance.
Das Wichtigste in Kürze
- 3 Säulen: Arbeitsschutz (Pflicht), BEM (Pflicht), BGF (freiwillig).
- Ohne die Pflicht-Säulen ist BGM rechtlich instabil, egal wie viel BGF betrieben wird.
- BEM greift bei mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit innerhalb eines Jahres, ununterbrochen oder wiederholt (SGB IX § 167).
- BGF kann von Krankenkassen nach § 20b SGB V als Projekt gefördert werden — kein Anspruch, kein Betrag pro Kopf.
Häufige Fragen
Reicht es, nur die zwei Pflicht-Säulen abzudecken?+
Rechtlich ja — Arbeitsschutz und BEM erfüllen die gesetzlichen Mindestanforderungen. Für Mitarbeiterbindung, Krankenstand-Reduktion und Arbeitgeberattraktivität lohnt sich die freiwillige dritte Säule (BGF) zusätzlich.
In welcher Reihenfolge sollten wir die Säulen aufbauen?+
Die Pflicht-Säulen gehören von Anfang an dazu (Gefährdungsbeurteilung, BEM-Prozess) — sie bergen sonst Bußgeld- und Haftungsrisiken. Parallel lohnt sich der Ausbau der BGF-Säule: rechtlich freiwillig, betriebswirtschaftlich aber der Hebel gegen Fehltage. Viele Betriebe starten sogar mit der Gesundheitsförderung, weil sie dort am schnellsten Wirkung sehen.
Zählt ein Gesundheitstag zu welcher Säule?+
Zur dritten Säule, betriebliche Gesundheitsförderung — es sei denn, er dient explizit der Umsetzung von Maßnahmen aus der Gefährdungsbeurteilung (dann Säule 1).
Alle drei Säulen an einem Ort abbilden
EasyBGM verbindet Gefährdungsbeurteilung, BEM-Prozess und Gesundheitsförderung in einem System.
Quellen
- § 5 ArbSchG — Beurteilung der Arbeitsbedingungen ↗
- § 167 SGB IX — Prävention (BEM) ↗
- § 20b SGB V — Betriebliche Gesundheitsförderung ↗
Stand: 2026-07-06. Keine Rechts- oder Steuerberatung — im Einzelfall fachlich prüfen lassen.